das Selbstprinzip

Philosophie



Schöpfung


Die schöpferische Kraft, aus der alles Existierende hervorgegangen ist, kann man je nach gesellschaftlicher Prägung und selbst gewählter Perspektive als Gott, Idee, Information, Energie, Licht, Potenzial oder Bewusstsein bezeichnen. Entstanden ist daraus jedenfalls eine Welt, in der sich Materie und Energie durchdringen. Sonne, Planeten, Elemente, Lebewesen, Atome, Elektronen, Quanten – alles besitzt eine materielle und eine energetische Komponente. Teilchen und Welle, Substanz und Strahlung.

Im Laufe der Evolution entwickelten sich immer komplexere Lebensformen und immer neue Arten. Die Programmierung für alle Wesen lautete dabei stets gleich: Strebe nach möglichst hoher Lebensqualität (Nahrung, Wärme, Schutz auf der materiellen Seite, Entwicklung, Zufriedenheit, Harmonie auf der energetischen). Die Pflanzen und Tiere erfüllen diesen „schöpferischen Plan“ aufgrund ihrer genetischen Anlagen, ohne diesen zu hinterfragen.

Einheit und Trennung


Wir Menschen hingegen besitzen die Fähigkeit zur Abstraktion und nehmen uns in der Folge als getrennt von der übrigen Schöpfung wahr. Dabei bezeichnen wir dieses “eigene” Bewusstsein als “Ich”. Auf die Frage, ob das Bewusstsein nun einen individuellen oder universellen Charakter hat, bietet Jörg Starkmuth in seinem wunderbaren Buch „Die Entstehung der Realität“ eine sehr anschauliche Antwort: demnach kann man sich das Bewusstsein als Erhebungen über bzw. unter dem Meeresspiegel vorstellen. Die aus dem Wasser ragenden Teile bilden unser Gruppen- und Einzelbewusstsein, benachbarte Spitzen sind einander nahestehende Seelen, wie z.B. Familie, Partner oder Freunde. Weiter entfernte stellen unser weiteres Umfeld dar. Unter dem Wasserspiegel befinden sich ebenfalls Bergrücken, die ein höheres Bewusstsein der Einheit aller Menschen bzw. Lebewesen symbolisieren. Der Meeresboden schließlich bildet das universelle, alles verbindende Bewusstsein. Ein wunderbares Bild, das so viele Fragen beantwortet. Von der individuellen Ich-Wahrnehmung über die benachbarte Seelenverwandtschaft, die Gruppenidentität, das Volksbewusstsein und das Menschheitsverständnis bis hin zur Verbundenheit allen Lebens und der Beseeltheit alles Existenten: das schöpferische Bewusstsein durchdringt in diesem Bild alles vom Elektron bis hin zum Blauwal, vom Sandkorn bis zur Galaxie.

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Das Bild des Meeresspiegels hat einen weiteren Vorteil: die Höhe des Wasserstandes veranschaulicht unser Wahrnehmungsniveau. So sehen wir bei höchstem Wasserspiegel lediglich die individuellen Bergspitzen aus dem Wasser ragen, das heißt, unser Bewusstsein umfasst uns selbst und das nähere Umfeld. Zu anderen Menschen und Wesen erkennen wir keine direkte Verbindung. Sinkt der Meeresspiegel, erweitert sich unser Bewusstein im wahrsten Sinne, denn es werden weitere Verbundenheitsebenen sichtbar. Wie bei den Halligen im Nordseewatt können wir bei Ebbe zur nächsten Insel gehen. Alles, was aus dem Wasser ragt, ist für uns geistig „begehbar“. Je tiefer der Wasserstand, desto tiefer auch das Verständnis für die Beschaffenheit der „Topografie“ unserer Welt. Verschwindet alles Wasser, stellen wir fest, dass tatsächlich alles miteinander verbunden ist und nennen es universelles Bewusstsein. Das Wasser symbolisiert in diesem Bild die Eintrübung unserer klaren (luftgewohnten) Wahrnehmung, der Wasserspiegel die Ebene unserer Bewusstheit.


Oberfläche und Tiefgang


Ein interessanter Effekt ergibt sich, wenn wir das Bild auf den Kopf stellen: nun erweisen sich die tiefen Schichten des ”Meeresbodens” als das höchste, universelle Bewusstseinsniveau, die individuelle Alltagswahrnehmung hingegen als niedrigste Stufe, sozusagen die Basis unserer Existenz. “Wie oben so unten”, lautet eine alte Weisheitsformel. Je mehr “seelischer Tiefgang”, desto höhere Qualitäten erschließen sich. Je mehr wir an der Oberfläche unserer Alltagswahrnehmung bleiben, desto oberflächlicher verläuft auch unser Leben und desto mehr stellt sich die Frage: “Das kann doch nicht alles gewesen sein!?”


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Innerer Zwiespalt


Wenn man das Bild nochmals dreht, veranschaulicht es die innere Zwiespältigkeit unserer Identität, als die wir unser “Ich” erleben. Auf der einen Seite zieht uns das Ego zur pragmatischen, alltäglichen Wahrnehmung, auf der anderen das Selbst (je nach Blickrichtung) zu tieferer / höherer Erkenntnis.


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Das Ego verkörpert dabei den materiellen Aspekt unseres Lebens und strebt nach Körper- und Arterhaltung, Stabilität und Sicherheit. Das Selbst als energetische Komponente hingegen strebt nach Verwirklichung, Kreativität, Qualität und Harmonie. Daraus leiten sich für beide Pole entsprechende Ziele und Instrumente ab. Einiges davon ist für die individuelle Lebenssituation notwendig, anderes aktuell weniger wichtig. Manches tut uns (und anderen) gut, anderes schadet. Hilfreich wäre daher eine klare Orientierung über die zufriedenheitsrelevanten Einflussfaktoren (siehe rechte Spalte) unseres Lebens mit all ihren Ausprägungen, um einen harmonischen Ausgleich zwischen den widerstreitenden Kräften in uns zu schaffen. Das Ziel ist dabei nicht Perfektion, sondern persönliche Stimmigkeit und die Lebensqualität einer in sich „runden“ Persönlichkeit.

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